Bei den Stichworten Frau und Töff denken manche auch heute noch zuerst an Beifahrerinnen. Aber wir haben den Lenker schon längst selber in die Hand genommen. «Girls on Bikes» ist die #1 Community für Motorradfahrerinnen in der Schweiz. Ich bin Mrs Phoenix und eine der Leaderinnen. Heute erzähle ich dir, was Töfffahren für mich bedeutet und was uns Bikerinnen bewegt.

Schon als Kind habe ich mich für Pferdestärken interessiert – allerdings eher für die auf der Weide als die in der Garage. Meine Eltern sind aber beide grosse Töfffans und haben mich früh mit dem Bikevirus angesteckt. Während meine Schulgspänli im Sommer in der Badi geplantscht haben, bin ich auf dem Sozius meines Vaters durch die Welt gebraust. Am coolsten fand ich die Love Rides: Dieses Gefühl von absoluter Freiheit hat mich nicht mehr losgelassen. Es sind nicht nur die Geschwindigkeit, der Adrenalin-Kick und das Kribbeln im Bauch, die mich faszinieren. Es ist vor allem das Bewusstsein, mit der Maschine eins zu werden. Letztes Jahr war ich mit meiner R6 auf der Rennstrecke, da spürt man das natürlich besonders gut. Hoffentlich kann ich das bald mit meiner neuen R1M wiederholen.

Gas geben für «Girls on Bikes»

Ein Leben ohne eigenen Töff könnte ich mir nicht mehr vorstellen. Trotzdem sind Bikerinnen auch heute noch nicht überall selbstverständlich. Darum engagiere ich mich seit einiger Zeit aktiv bei den«Girls on Bikes». Als Leaderin organisiere ich in erster Linie Rideouts und unterstütze den Vorstand bei verschiedenen Arbeiten. Bald übernehme ich auch das Management unseres Instagram-Accounts @girlsonbikes_. Die #1 Community für Bikergirls in der Schweiz bietet aber viel mehr als coole Treffen und schöne Bilder. Wir unterstützen Frauen bei allen Fragen rund ums Motorrad, helfen bei Unsicherheiten und organisieren spezielle Trainings wie Pitbike-Schräglagentraining oder Rennstreckentage. Ausserdem pflegen wir Kontakte zu Frauengruppen in anderen Ländern. Diese wollen wir in Zukunft ausbauen – vielleicht ist ja sogar mal ein internationales Treffen möglich.

«Wenn dir ein Motorrad gefällt, du dich darauf wohl fühlst und nach der Probefahrt ein Lächeln im Gesicht hast, ist es das richtige für dich.»

Hör auf deinen Bauch, nicht auf andere

Eigentlich sollten Bikerinnen heute überall ganz selbstverständlich dazugehören. Bei unseren Rideouts höre ich aber immer wieder Geschichten, die mich nachdenklich stimmen. Das fängt schon an, wenn eine Frau sich überhaupt für das Thema Töff interessiert. Da fallen schnell entmutigende Kommentare wie: «Die Maschine ist zu gross für dich, such' dir lieber etwas Kleineres» oder «Das ist zu viel Power, das kannst du nicht handeln.» Alles Unsinn, sage ich da nur. Natürlich kann es für eine Frau schwieriger sein, die passende Maschine zu finden, weil wir meistens kleiner sind. Denn die Füsse müssen den Boden berühren können, das ist klar. Aber alles Weitere ist eine Frage der Persönlichkeit, nicht des Geschlechts. Mein Tipp für alle Einsteigerinnen ist deshalb: Hör auf deinen Bauch und nicht darauf, was andere dir sagen. Wenn dir ein Motorrad gefällt, du dich darauf wohl fühlst und nach der Probefahrt ein Lächeln im Gesicht hast, ist es das richtige für dich. So einfach ist das.

Auf der Strasse zur Gleichberechtigung

Wenn es neben Grösse und Gewicht überhaut einen Unterschied zwischen Männern und Frauen auf dem Töff gibt, ist es wohl die Fahrweise. Ich behaupte jetzt mal, dass Frauen eher überlegter und vorsichtiger fahren. Trotzdem gehören dumme Sprüche und Blicke für uns Bikergirls leider immer noch zum Alltag. Nicht viel besser sind die gut gemeinten Kommentare und Tipps. Diese kommen meistens von älteren Bikern, für die eine Frau mit Töff immer noch eine Ausnahme ist. Natürlich lerne auch ich gerne dazu, und wenn ich Hilfe brauche, frage ich. Aber zu glauben, dass ich Rat brauche, bloss weil ich eine Frau bin, ist irgendwie daneben. Das gilt übrigens auch für Leute, die auf Instagram herumerzählen wie oft sie schon ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, weil sie einfach total über ihrem Können gefahren sind. Mich kann man mit solchen Geschichten jedenfalls nicht beeindrucken.

Nächster Halt: @mrs__phoenix

Mit meinem eigenen Instagram-Account versuche ich, ein Zeichen für Akzeptanz und Gleichberechtigung in der Biker-Szene zu setzen. Über 30'000 Follower sind, glaube ich, ein gutes Omen dafür, dass dieses Ziel realistisch ist. Aber natürlich dreht sich nicht mein ganzes Leben nur ums Motorradfahren. Hauptberuflich arbeite ich bei der SBB als Zugbegleiterin. Und wenn ich nicht im Zug oder auf dem Töff bin, trifft man mich im Fitness oder auf dem Rücken eines Pferdes. Auch wenn ich starke Motoren liebe, bin ich ab und zu immer noch gerne mit 1 PS unterwegs. Bevor ich nun aber davonreite noch ein Aufruf: In der Schweiz gibt es im Vergleich zu Deutschland oder den USA immer noch verhältnismässig wenig Bikergirls. Unsere Gruppe wächst aber ständig. Wenn du auch mitfahren willst, findest du uns auf girlsonbikes.ch. So oder so: Man sieht sich hoffentlich!

  • bfu_stayinalive_journal_girlsonbikes_retina_1.jpg
  • bfu_stayinalive_journal_girlsonbikes_retina_3.jpg
  • bfu_stayinalive_journal_girlsonbikes_retina_4.jpg
  • bfu_stayinalive_journal_girlsonbikes_retina_2.jpg
1/4 Die «Girls on Bikes» fahren nicht nur sicher Motorrad, sondern auch eine klare Schiene, was ihr Auftreten in der Öffentlichkeit anbelangt. Mrs Phoenix freut sich auf ihr künftiges Amt als Social Media Managerin der Crew.