Töfffahren ist nicht irgendein Hobby. Töfffahren ist Lifestyle – und dieser spiegelt sich auch im Kleiderschrank wider. Ich habe in diversen Schubladen gewühlt und bin auf fünf ultimative Bike-Styles gekommen. Bei allen Outfits als Accessoire mit dabei: Ironie. Ein bisschen Spass darf sein.

Auf was für einem Töff wir sitzen, erkennt man bei den meisten von uns schon an der Ausrüstung. Bei vielen sogar am Alltagsdress, also sozusagen in zivil. Und dann gibts natürlich noch die Kollegen, denen man selbst in der Badi ansieht, für welches Bike der Zündschlüssel passt:

Die Tourer

Wie bei der Wüstendurchquerung gilt auch im Nahverkehr: Vorbereitung ist alles – und Style folgt Funktion. Darum trägt der Otto-Normaltourer Funktionshemd und Trekkingschuhe selbst für eine Strecke von zwei Tramstationen. Damit der Wocheneinkauf nicht scheitert, sind in den praktischen Taschen der Cargohose immer eine Rolle Isolierband, etwas Draht, drei Kabelbinder und eine Zündkerze griffbereit. Am liebsten wären Tourer auch zwischen den Supermarktregalen via Bluetooth-Headset ihres Klapphelms mit dem Tourenpartner verbunden, fühlen sich also ohne dementsprechend nackt und unsicher.

 

Die Tüftler

Die Tüftler werden mehr von den inneren Werten angezogen und liegen in der Mensch-Bike-Beziehung lieber unten statt oben. Dafür haben sie eindeutig die Hosen an: Latzhosen, auf deren Brusttasche ihre Lesebrille baumelt. Die kommt zum Einsatz, wenn das ausgezeichnete Gehör nicht für die Fehlerdiagnose ausreicht. Solange es um Vergaser, Ritzel, Simmerringe und Schaltkreise geht, plaudern Tüftler munter drauflos. Bei Fussball, Politik und anderen Belanglosigkeiten wechseln sie augenblicklich in den Wortkarg-Modus und meiden direkten Augenkontakt. Die schwarzen Finger zupfen dann geistesabwesend an den Ärmeln des karierten Flanellhemds oder drehen am knatternden Aufsatz ihres 19er-Ratschenschlüssels.

«Zeig mir deinen Kleiderschrank und ich sag dir, was du fährst.»

Die Rocker

Der wohl am weitesten verbreitete Homo Bikerius. Hier schauen tätowierte Arme dick wie Baumstämme aus den Ärmellöchern der Lederweste. Diese ist mit all ihren Aufnähern eine Art Lebenslauf, den nur Rocker untereinander lesen können. Und da ein Lebenslauf niemals ersetzt, sondern ständig erweitert wird, ist das gute Stück nicht mehr ganz so tiefschwarz, wie es einst mal war. Gerne setzen Rocker schwarze Sonnenbrillen und finstere Mienen auf. Trotzdem sind sie es, die mit ihren Bikes eine Schutzgasse bilden, wenn Mama Gans mitsamt Jungen die Strasse überquert.

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1/5 Einen Tourer könnte man mir nichts dir nichts in der Wüste oder im Dschungel aussetzen – die richrige Kleidung hätte er schon an.

Die Rockabillies

Wer schön sein will, muss leiden. Das gilt nicht für die Rockabillies. Die müssen einfach ständig die Spiegel ihrer Chopper einstellen. Da, wo sich während der Fahrt der rückwärtige Verkehr tummelt, richten auf dem Rastplatz Ladies ihren Lippenstift und Gents ihre vom Helm plattgedrückte Tolle – natürlich mit einem Kamm in Sprungmesser-Optik. Apropos Messer: Neben Schwalben, Rosen, Billardkugeln und Spielkarten sind Rasiermesser beliebte Motive bei den überwiegend tätowierten Rockabillies. Das wird gern gezeigt, drum trifft man Vertreterinnen und Vertreter dieses Styles meist mit hochgekrempelten Hemdsärmeln an.

 

Die Racer

Sponsorenlogos, ein breites Grinsen, mehr Sponsorenlogos – so in etwa beschreibt man einen Racer von Kopf bis Fuss. Wie sie den Helm übers Käppi bekommen, wird auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Oder hat schon mal jemand einen Racer ohne Käppi gesehen? Das scheint ebenso fester Bestandteil ihres Outfits zu sein wie Polohemd und Sportuhr, mit der sie fleissig Zeiten messen – von der Runde auf der Rennbahn bis zur Kochdauer fürs perfekte Frühstücksei: Jede Zehntelsekunde zählt!